8.30 Uhr: Eine Art Jeep bringt uns zum Bus. Wir genießen das Geruckel, den Fahrwind und das Grün ringsumher, samt Kugelnester der Webervögel.
9.30 Uhr: Es geht los, an bunten Dörfchen der Einheimischen vorbei. Die Landschaft wird dominiert vom dichten Gebüsch und niedrigen Bäumen. Dazwischen Flächen mit Hirsepflanzen, die „Greenhorns“ (auch ich) mit Maispflanzen verwechseln.
Das Buschland geht über in eine graubraune Graslandschaft. Man meint – mit Fantasie - die geduckten Rücken der Jagenden und der Gejagten darin zu sehen. Kleine Häuser liegen in die Umgebung eingepasst. Idyllisch! (Idyllisch?)
Störend sind die allgegenwärtigen Masten der Hochspannungsleitungen. Weit vorne sieht man auffallend „gerade“ Hügel. Es sind Halden der Diamantenminen. Die Geschichte vom Diamanten im Lehmverputz wird uns erzählt.
Links und rechts unserer Straße stehen Reihen kleiner Siedlungshäuser für die Minenarbeiter. Ich sehe – wohltuend – keine Wellblechverschläge. Solche sehen wir etwas später, nahe einer großen Plantage.
Es geht weiter. Die Landschaft nach den Halden beeindruckt durch ihre Weite. Rinderherden, Felder und sehr viel Land sieht man bei den Farmen. Dazwischen sieht man weite Flächen mit rosa und weißen Blüten: Cosmea. Wunderschön anzuschaun, aber beispielhaft für die Ambivalenz aller Dinge hier: die Pflanze wurde mit Samen für Futterpflanzen eingeschleppt, weil europäische Pferde das Gras hier nicht vertrugen. Nun wuchert sie hier und bedroht die einheimische Pflanzenwelt. Etwas wie Gras oder wilder Hafer wird geerntet und gebündelt, nicht weit von der Straße entfernt. Hauptsächlich sehe ich Frauen in ihren bunten Kleidern mitten im hohen Gras. Kurz darauf wird diese Schönheit und die Illusionen erneut durch große Abbau-Halden für den Kohlenbergbau gestört!
Braungraue „Abgasschleudern“ stehen in der Landschaft. Umweltschutz hat kaum Bedeutung in Südafrika, höre ich. Es folgen lange Strecken mit ärmlichen Hütten entlang der Straße; auf der rechten Seite folgt ein großer Friedhof - jeder dritte hier stirbt an Aids. Die Arbeitslosigkeit (19 %) trifft „Schwarze“ und „Weiße“ gleich.
Dann fahren wir entlang von Sonnenblumenfeldern und Anbauflächen für Soja und Mais. Nicht Hirse, sondern weißer Mais wird hier zum Brotbacken bevorzugt. Weiters sehen wir Pinienplantagen für die Möbelerzeugung.
Susi Grossebner, mit Koechinnen
Weiter in Richtung Osten: Der indische Ozean ist etwa 80 km entfernt. Die Landschaft verändert sich: Wir sehen grüne, weite und sanfte Hügel. Da und dort kompakte Baumgruppen, in großen Abständen geschmackvolle niedrige Farmhäuser, die von ebensolchen Baumgruppen geschützt werden. Immer häufiger Flussläufe, Wasserfälle, Sumpfgründe und – Forellenteiche!
12.40 Uhr Mittagsstop in Dullstroom.
Dullstroom
Ein bildhübscher Ort, gepflegt wie ein Park. Die afrikanische Küche, wie wir sie bisher antrafen, ist anders, aber nicht exotisch. Auf jeden Fall schmeckt sie uns.
14.30 Uhr Weiterfahrt. Aus dem Hochland (über 2000m) kommend fahren wir jetzt langsam bergab. Wir passieren ein Reservat der besonderen Art: Täuschend ähnliche Attrappen der afrikanischen Säugetiere stehen ringsum im Dickicht. Vor lauter Erwartungshaltung fallen wir alle darauf rein – die Kameras werden gezückt. Ein gutes Stück vor uns öffnet sich eine weite Ebene, zweifellos fruchtbar, bedeckt mit Gemüse und Sojafeldern. Auch Rinderherden tummeln sich im satten Grün. Wir sehen sogar Pfirsichplantagen, und das helle Band eines Flusslaufes. Hier gibt es viel Niederschlag. Der indische Ozean ist nahe, und zu manchen Zeiten soll es hier dichtesten Nebel geben.
Stop bei einem Einkaufszentrum. Die Bedauernswerten unter uns, deren Gepäck immer noch in London steht, hofften hier das Nötigste zu finden. Aber: Fehlanzeige!
Die 2 Stunden Pirsch wird auf morgen früh verschoben.
16.20 Uhr: Ab von der Hauptstrasse, ins Land hinein! Grüne Meerkatzen und Paviane gibt es hier, eine Herde Kuhantilopen sieht man in der Ferne trotz ihrer Tarnfarbe: Rotbraun wie die Felsen und der Boden. Es ist eine weitläufige ebene Landschaft, unberührt belassenes afrikanisches Gras- und Buschland. Wir sehen Springböcke, Warzenschweine, Antilopen in einer faszinierenden Landschaft, in der wir bald kleine grasgedeckte Häuschen ausmachen, wo wir heute Abend bleiben werden: Hannah Lodge.
Hannah Lodge
Bericht: Gisela Maier